Warum nach Facebook auch weitere soziale Medien den Algorithmus einführen

Algorithmen gehören zu den undurchsichtigsten und gleichzeitig bestimmendsten Komponenten des modernen Internets. Nehmen wir alleine den Google-Algorithmus: Er ist der Heilige Gral des SEO-Experten. Stunden und Stunden werden investiert, Suchergebnisse zu optimieren, Unmengen an Geld werden eingesetzt, um ganz vorne mit dabei zu sein. Trotzdem scheint der Algorithmus sich immer wieder zu entziehen. Der Facebook-Algorithmus wiederum wird mittlerweile nicht nur auf diversen Blogposts und in Expertenbeiträgen diskutiert, er hat es zum Topmotiv in Science-Fiction-Literatur und Comics geschafft. Somit ist er mehr als nur eine Komponente des WWW; er ist Teil unserer Kultur. Nun folgen zwei weitere soziale Netzwerke dem Modell von Facebook, indem sie eigene Algorithmen geschaffen haben. Warum dem so ist und welche Konsequenzen die Einführung von Algorithmen für werbende Unternehmen haben, möchten wir Ihnen im Folgenden aufzeigen.

Instagram, welches von Facebook aufgekauft wurde und nun Teil der Familie ist, kün-digte schon vor einiger Zeit an, dass es dem Vorbild der Mutterfirma folgen wolle und Schritt für Schritt auf die Funktionen eines Algorithmus umsteigen wird. Am 15.03.2016 war es schließlich so weit: Die Plattform bestätigte die Einführung des Algorithmus. Bis dato wurden alle veröffentlichten Fotos chronologisch angezeigt, was eine natürliche Reichweite ermöglichte. Doch diese Zeiten sind vorbei.

Twitter stieg bereits im Januar und Februar auf eine nicht-chronologische Darstellung der Beiträge in der Timeline um. Während User die Veränderungen massiv kritisieren und Einschränkungen befürchten – nicht ganz zu unrecht – argumentieren sowohl Twitter als auch Instagram auf ähnliche Art und Weise: Es gibt einfach zu viel Content, als dass dieser ungefiltert präsentiert werden sollte.

Einerseits ist dieses Argument durchaus schlagkräftig. Instagram ist im Verlauf der letzten Jahre stark gewachsen, User, die bis jetzt viel Zeit damit verbrachten, durch ihren Feed zu scrollen, könnten den Algorithmus durchaus zu schätzen wissen. Bei Twitter verhält es sich ähnlich, und so sind vor allem neue Nutzer massiv mit der Menge an Tweets pro Minute überfordert. Das Gegenargument lautet, dass Nutzer selbst aussuchen wollen, was ihnen angezeigt wird und was nicht. Sie entschließen sich dazu, ausgewählten Accounts zu folgen und empfinden diese Auswahl als validen und ausreichenden Filter.

Experten wiederum behaupten, dass Algorithmen vor allem zeitweilige Nutzer zufriedenstellen, die sich nur ab und zu über das neueste Geschehen in den sozialen Medien informieren wollen. Für diese wird ein Potpourri der vermeintlich interessantesten und wichtigsten Beiträge aufbereitet, das sie konsumieren können. Dass somit auch ihr eigenes Nutzerverhalten bestimmt und geleitet wird, steht auf einem anderen Blatt.

Letztlich ist jedoch der finanzielle Aspekt des Algorithmus ausschlaggebend. Auch wenn viele Experten verneinen, dass die organische Reichweite von Beiträgen in Mitleidenschaft gezogen wird, sprechen die Zahlen eine andere Sprache. Nachdem Facebook seinen Newsfeed durch einen Algorithmus steuern ließ, sank die organische Reichweite von 12% im Jahr 2013 auf 6% im Jahr 2014. Seitdem ist der Prozentsatz noch weiter gesunken.

Algorithmen verhindern eine organische Reichweite, die nicht einmal dadurch gerettet werden kann, dass ein Unternehmen zum Beispiel die Anzahl der Posts erhöht. Sie sind also dazu gezwungen, in Ads zu investieren, um im Newsfeed ihrer Follower und darüber hinaus zu erscheinen. Es ist abzusehen, dass auf Instagram eine ähnliche Entwicklung stattfinden und die Social-Media-Plattform große Gewinne allein durch kostenpflichtige Anzeigen verbuchen wird.

Die Prognosen für Unternehmen, die auf organische Reichweiten angewiesen sind, sehen auf Instagram eher düster aus. Letztlich liegt es am Unternehmen selbst zu entscheiden, ob es lohnenswert ist, in Instagram-Ads zu investieren oder verstärkt auf andere Marketingmaßnahmen wie zum Beispiel das bewährte Email-Marketing zu setzen.