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Augmented Reality - Verschafft uns die virtuelle Realität mehr Kunden?

Überdimensionale Brillen, die uns auf unserem Sofa eine Achterbahnfahrt erleben und unseren Herzschlag steigen lassen; Tablets, die uns erlauben den leeren Raum vor uns mit Möbeln auszustatten und Smartphones, auf denen kleine Kreaturen neben uns auf dem Bürgersteig erscheinen.

Klingt nach Science-Fiction? Keinesfalls. Die Augmented Reality ist in der Realität angekommen – aber ist das überhaupt noch Realität?

DIE ENTSTEHUNG

Der Begriff Augmented Reality bezeichnet eine computergestützte Wahrnehmung, die die reale Welt um virtuelle Faktoren erweitert. Unter manchen Insidern ist sie auch als „mixed reality“ – also gemischte Realität bekannt. Die Idee hinter dem neuen Techniktrend ist schon älter als man vermutet.

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wurde in einer Kurzgeschichte von L. Frank Baum eine Brille erwähnt, die es dem Hauptdarsteller ermöglichte, wichtige Informationen seines Gegenüber seitlich in der Brille einzublenden. Seither wurde diese Idee einer fortschrittlichen Brille von vielen Drehbuchautoren und Romanautoren verwendet und erweitert.

Die Entwicklung

Die ersten Durchbrüche der Augmented Reality gelangen Boeing-Mitarbeitern im Jahre 1990, als sie Head-Up-Displays entwickelten, die Flugzeugbauern Informationen über Material und Konstruktion in ihr Blickfeld einblendeten.  Mit der Entwicklung von Tablets und Smartphones wurden die Grundsteine für eine Augmented Reality gelegt, die die breite Masse erreichen kann.

Wie so oft wurde die neue Technik anfangs nur von Spielesoftware-Firmen in Anspruch genommen und wurde mit den Jahren weiter ausgebaut. Der erste Clou einer virtuellen Realität gelang den Programmierern des Spieles „Pokemon Go“, welches als App für Smartphones bereitgestellt wurde.

Hier vermischte sich über den Display des Smartphones nun endgültig die reale mit der virtuellen Welt. Das Spiel war für Kinder und Jugendliche ein Hype – und die Ära der Augmented Reality hatte gerade erst begonnen.

Wie kann Augmented Reality im Unternehmen eingesetzt werden?

Zwischenzeitlich haben auch viele andere Branchen und Unternehmen das Potenzial der virtuellen Realität für sich und ihre Kunden erkannt. Vor allem Online Händler sind gut beraten, wenn sie den Aufschwung der Technik und deren Vorteile genau im Blick behalten und vielleicht sogar selbst die ein oder andere Innovation im Unternehmen vorantreiben.

Denn die Augmented Reality kann – richtig eingesetzt – auf einige Punkte einer Online Marketing Strategie einzahlen. Sie können sich kein konkretes Beispiel vorstellen? Wir können helfen!

Einsatzmöglichkeiten im B2B-Bereich

1. Virtuelle Schulungen und Events

Schulungen, egal ob für bestimmte Produkte- oder Dienstleistungen, sind teuer. Das weiß jeder, der schon einmal eine Schulung für seine Mitarbeiter oder Kollegen organisieren musste. Die Anfahrt der Berater und deren Stundensatz sind ein hoher Aufwand für Unternehmen – insbesondere für Startups. Fällt der Berater dann auch noch kurzfristig aus, kann die Ressourcenplanung von vorne beginnen.

Mithilfe von virtuellen Schulungen können diese unangenehmen Aufwände bald der Vergangenheit angehören. Bereits seit einigen Jahren erfreuen sich Webinare großer Beliebtheit. Doch auch hier sind sowohl der Vortragende als auch die Teilnehmer im Livevortrag an bestimmte Zeiten gebunden – allerdings unabhängig von der Örtlichkeit.

Virtuelle Schulungen sollen den Berater durch einen virtuellen Avatar ersetzen, der Ihnen und Ihren Mitarbeitern komplexe Produkte oder schwierige Sachverhalte unabhängig von Ort und Zeit näher bringen kann – und meist bereits Antworten auf gängige Fragen der Zuhörer parat hat.

Kleiner Tipp: Diese Art von Produktschulung eignet sich im Übrigen auch wunderbar als Verkaufsargument für Vertriebsmitarbeiter, die bei Kunden vor Ort sind.

Mangelnde Zeit und Aufwand sind auch die Beweggründe für verpasste Messen und Branchenevents, die jeder von uns eigentlich gerne einmal besuchen würde. Auch hier heißt es: Aufatmen! Einige Organisatoren von Messen arbeiten bereits daran, Besucher auch virtuell an den Events teilhaben zu lassen.

Kameras, die an verschiedenen Stellen im Messebereich installiert sind, ermöglichen über eine VR-Brille einen Rundumblick für abwesende Interessenten.

2. Dezentrale Modellierung

Unter Einsatz einer virtuellen Realität kann die Zusammenarbeit und die Architektur von großen Bauvorhaben oder Projekten unter allen Projektbeteiligten besser koordiniert werden. So kann es in naher Zukunft durchaus vorstellbar sein, dass Bauprojekte online abgewickelt und unter Einsatz von VR-Brillen Modelle von Architekten mehrerer Unternehmen angepasst und optimiert werden können.

Dieses Ziel hat sich auch das englische Unternehmen 3D Repo gesetzt und eine cloud-basierte Plattform für Unternehmen bereitgestellt, die gemeinschaftlich an großen Bauprojekten arbeiten.

3. Optimierte Wartungsarbeiten

Auch für Wartungsarbeiten oder Bedienungsanleitungen muss bald nicht mehr ein Servicemitarbeiter vor Ort anwesend sein. So können Wartungsarbeiten von Druckern oder Maschinen für B2B-Kunden mithilfe von AR-Apps virtuell dargestellt werden.

Wichtig dabei ist, dass das zu wartende Gerät von allen Blick- und Seitenwinkeln gefilmt und die nötigen Wartungsarbeiten entweder unter Einbeziehung eines Avatars oder der einzelnen Schritte auf dem aufgenommenen Material überlagert werden. Die Schritt-für-Schritt-Anleitungen können bei komplexen Produkten aber auch als Hilfestellung für die Servicemitarbeiter verwendet werden.

Einsatzmöglichkeiten im B2C-Bereich

1. Virtuelle Bedienungs- und Aufbauanleitungen für Kunden

Wir alle kennen die unzähligen Stunden, die wir auf dem Boden sitzend, umringt von Schrauben und vor einer Aufbauanleitung grübelnd, verbracht haben. Nach getaner Arbeit entdecken wir meistens plötzlich doch noch eine Schraube, die wahrscheinlich zum Möbelstück gehört und nun zähneknirschend aufgehoben wird – man kann ja nie wissen.

Unzureichende und lückenhafte Aufbauanleitungen a la Ikea könnten bald der Vergangenheit angehören. Aufbauanleitungen können schon bald per App aufgenommen und den Kunden über einen QR-Code zusammen mit dem Produkt verkauft werden.

Der Vorteil für Unternehmen: Zufriedenere Kunden. Der Vorteil für Kunden: Das Lager der übrig gebliebenen Schrauben und Muttern kann hoffentlich aufgelöst werden.

2. Erweiterter Spiel- und Shoppingspaß

Was mit Pokemon Go begann, wird sich in den nächsten Jahren mit großer Wahrscheinlichkeit auf alle gängigen Computer- und App-Spiele ausweiten. Für Kinder und Jugendliche werden die virtuellen und realen Welten bei den angesagten Spielen immer weiter verschwimmen und so zu einem noch intensiveren Spielerlebnis führen.

Wo einige Kritiker aufgrund der Gefahren für Kinder und Jugendliche – vor allem im Straßenverkehr – die Köpfe schütteln, können Geschäfte und Einkaufsmeilen sich in naher Zukunft die Hände reiben. Der Einsatz von digitalen Objekten in der Kameraansicht eines Smartphones kann auch für Verkaufszwecke genutzt werden.

So ist es vorstellbar, dass man während des Shoppings virtuelle Rabattaktionen von Geschäften angezeigt bekommt, sobald man an diesen vorbeigeht.

3. Online Shopping mit (fast) allen Sinnen

Die ganz großen Gewinner der Augmented Realitiy werden in den nächsten Monaten bzw. Jahren definitiv Online Händler sein. Es ist unumstritten, dass die Zahl der Onlineshopper von Jahr zu Jahr zunimmt und sich dieser Trend auch in Zukunft stabil halten und sogar steigen wird. Bislang war der einzige Minuspunkt das fehlende „Ich probiere das erst einmal an“ – Erlebnis.

Das gilt im Übrigen nicht nur für Kleidung, sondern auch für Möbel- und Dekostücke. Die räumliche Vorstellungskraft kann leider auch mit Maßangaben und Produktbildern von allen Seiten nicht vollständig abgedeckt werden.

Ikea gilt unter den Möbelgiganten als Vorreiter der Nutzung von AR-Technologie um ihre Produkte online besser zu vermarkten. Mit einer App können bestimmte Möbelstücke virtuell in die eigene Wohnung integriert und so ein erstes Bild über den Gesamteindruck gewonnen werden.

Der Vorteil für die Kunden liegt klar auf der Hand: Es kann bereits vor Kauf eines Produkts entschieden werden, ob sich dieses harmonisch in das Gesamtbild der Einrichtung einfügt. Der Vorteil für die Online Händler? Mit dieser Technologie ist die Wahrscheinlichkeit, dass Kunden gleich mehrere Produkte kaufen – die sich optisch gut in die restliche Einrichtung integrieren – sehr hoch.

Augmented Reality und Online Marketing

Sie fragen sich noch immer, wie diese Einsatzmöglichkeiten von AR-Technologien Einfluss auf das Online Marketing haben können? Die Antworten stecken in den Anwendungsbeispielen. Die virtuelle Realität wird das Produktmarketing im Onlinebereich gravierend mitgestalten.

Onlineshops können ihren Kunden ein ganz neues Einkaufserlebnis bieten, mit mehr Auswahl an Produkten und geringeren Kosten als es ein lokales Offline-Geschäft jemals könnte. Produkte können nicht nur in einem 360 ° Winkel angesehen werden, Kunden können sie sich vorab direkt nach Hause holen – zumindest virtuell.

Anbieter von Online-Dienstleistungen können ihre Kunden durch virtuelle Videos beraten und sie durch einen Anwendungsprozess führen. Damit steigern sie die Seriosität ihres Unternehmens und gewinnen sogar die Kunden, die dem Onlinehandel noch passiv gegenüberstehen.

Museen, Schulen und Messen können sich durch virtuelle Teilnahmen neue Kunden an Bord holen – und erhalten zudem mehr Aufmerksamkeit, wenn die Erfahrungen der Teilnehmer im Web diskutiert werden. Die Kunden selbst profitieren von mehr Informationen, die sie sich entsprechend ihrem Terminkalender flexibel besorgen können.

Mit der Möglichkeit, Ihre Kunden auch in ihren eigenen vier Wänden abholen zu können, können einträgliche Marketingmaßnahmen wie ein „Tag der offenen Tür“ kostengünstig mit einer virtuellen Tour durch das eigene Unternehmen auch online ermöglicht werden.

Bereits jetzt nutzen außerdem viele Reiseanbieter eine neue Art von Werbung: Bei Werbeanzeigen von bestimmten Reisezielen werden neben Bildern der Hotels und der Umgebung so genannte 360 ° Videos angezeigt, die mit dem Schwenken des Smartphones die Umgebung rundherum zeigen und so einen ersten Rundumblick auf die Destination ermöglichen.

Fazit

Die Augmented Reality ist zwar keine neue Idee, aber die Nutzungsmöglichkeiten für alle Branchen entfalten sich erst jetzt mit der steigenden Digitalisierung aller Kanäle. Für Online Händler erschließt die Technologie eine lukrative, neue Werbefunktion für ihre Produkte und ein optimiertes Handling durch den Kunden.

Außerdem kann die Kundenzufriedenheit erhöht werden, indem komplexe Zusammenhänge einfach und ohne Anwesenheit von Mitarbeitern virtuell erläutert werden können.

Im Zuge einer immer schneller voranschreitenden Digitalisierung ist die Augmented Reality die virtuelle und visuelle Brücke zu unseren Kunden und ihren Wünschen.