OUT OF SEO – WARUM DU AUSVERKAUFTE PRODUKTE NICHT EINFACH LÖSCHEN SOLLTEST

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Kennst du das? Du suchst seit Tagen dieses eine Paar Sneaker, findest es endlich in deiner Größe, klickst voller Vorfreude auf das Ergebnis und bekommst dann die ernüchternde Nachricht vom Shopsystem… Egal ob “Derzeit nicht verfügbar”, “Zurzeit nicht lieferbar” oder “Sold Out”, sie alle tun weh und sie alle sind der Auslöser für ein oft unterschätztes SEO-Problem. Ausverkaufte Produkte in Onlineshops.

 

Viele ShopbetreiberInnen schenken ausverkauften Produkten und den entsprechenden Produktseiten keine besondere Aufmerksamkeit und verfahren auf die immergleiche Weise mit diesen URLs. Aber weder das grundsätzliche Löschen, noch das pauschale online lassen oder weiterleiten sind hier aus SEO-Sicht eine gute Idee.

 

Die perfekte Vorgehensweise

Die perfekte Vorgehensweise hängt dabei von ein paar Fragen ab. Kommt das Produkt wieder? Hat die URL Backlinks? Bekommt die Seite Traffic? Das sind Punkte, die du unbedingt klären solltest, bevor du eine Entscheidung über die URL eines ausverkauften Produktes triffst. Verlinkungen, Traffic und Rankings sind oft hart erkämpft und das Ergebnis jahrelanger Arbeit. Möchtest du diese nicht mit einem Klick riskieren, brauchst du eine vernünftige Strategie. Um diese Strategie soll es in diesem Beitrag gehen.

 

Im Kern lassen sich bei ausverkauften Produkten zwei Fälle unterscheiden: Das Produkt kommt wieder oder das Produkt kommt nicht wieder.

 

Fall 1: Das Produkt kommt wieder

 

Hierbei handelt es sich um den einfachsten und aus Nutzersicht erfreulichsten Fall. Das Produkt ist aktuell nicht verfügbar, aber in den nächsten Tagen oder Wochen kann man es wie gewohnt käuflich erwerben.

 

In diesem Fall steht die User Experience absolut im Vordergrund und du solltest alles dafür tun, BesucherInnen nicht sofort wieder abspringen zu lassen.

 

Ein bloßes “Nicht verfügbar” lässt BesucherInnen meistens direkt zu den Suchergebnissen zurückkehren (“bouncen”), was sich in der Summe der nicht verfügbaren Produkte und daraus resultierenden Summe an negativen Signalen, negativ auf die Sichtbarkeit des gesamten Shops auswirken kann.

 

Mach in diesem Fall unbedingt deutlich, dass das Produkt zwar gerade nicht verfügbar ist, aber wieder kommt und/oder du ähnliche Alternativen anbieten kannst. Gib NutzerInnen außerdem die Möglichkeit sich per E-Mail über die Verfügbarkeit informieren zu lassen.

 

Hast du ein genaues Datum, ab wann das Produkt wieder verfügbar ist? Gib es an! Hast du sehr ähnliche Produkte? Schlag sie deinen BesucherInnen vor und gib ihnen die Möglichkeit weiter einzukaufen und so womöglich doch noch zu konvertieren. Das ist nicht nur gut für deine Umsätze, sondern auch für die Besänftigung frustrierter BesucherInnen und die interne Verlinkung der entsprechenden Produkte.

 

In keinem Fall solltest du bald wieder verfügbare Produkte weiterleiten oder zeitweise den Statuscode 404 ausgeben lassen. Lass die Seite mit dem Statuscode 200 online und versuche deine BesucherInnen in dieser besonderen Situation einfach so glücklich wie möglich zu machen und an deinen Shop zu binden.

 

Möchtest du zusätzlich noch die Suchmaschine happy machen, kannst du mit Hilfe von strukturierten Daten darauf hinweisen, dass der Artikel aktuell nicht verfügbar ist. Darauf solltest du jedoch nur zurückgreifen, wenn sehr viele BesucherInnen bouncen, da ein solcher Hinweis auch Einfluss auf die Klickrate in den Suchergebnissen haben kann. Hast du also eine geringe Bouncerate und die BesucherInnen klicken zum Beispiel auf die vorgeschlagenen Produkte, kannst du in diesem Fall auf die Auszeichnung mit strukturierten Daten verzichten.

 

Im Fall, dass das Produkt wieder kommt, sollte also wirklich stets die User Experience im Vordergrund stehen.

 

Fall 2: Das Produkt kommt nicht wieder

Kommt das Produkt nicht wieder, musst du drei Fragen klären, um zu entscheiden, wie du mit der URL unter SEO-Gesichtspunkten umgehen solltest. Die wichtigste Frage ist, ob das Produkt Backlinks hat. Backlinks sind ein wichtiger Rankingfaktor und gerade für Produkte nur schwer zu bekommen. Wir möchten auf jeden Fall vermeiden, das Produkt-URLs mit Backlinks den Statuscode 404 ausgeben, da in diesem Fall Linkjuice verschwendet wird.

 

Das Produkt kommt nicht wieder und hat Backlinks

Hat eine Produktseite Backlinks, haben wir drei Optionen. Wir können eine Weiterleitung auf die Kategorieseite einrichten. Wir können eine Weiterleitung auf ein anderes Produkt einrichten. Oder wir können ein anderes Produkt auf der alten URL platzieren.

 

301 auf die Kategorieseite

Das sieht man vergleichsweise oft. Eine Weiterleitung auf die Kategorieseite stellt sicher, dass der Linkjuice weiterhin verteilt wird und Autorität erhalten bleibt. Ferner lässt sie den Nutzer ungefähr da rauskommen, wo er ohnehin hinwollte. Solche Weiterleitungen haben jedoch immer das Potenzial eines Soft-404s.

 

301 auf ein anderes Produkt

Die Weiterleitung auf ein (sehr) ähnliches Produkt ist meistens die bessere Wahl, da die Conversion hier deutlich realistischer ist und die neue Seite der alten Seite stark ähnelt.

 

Diese Weiterleitung hat allerdings leider das Potenzial problematische Weiterleitungsketten zu erzeugen. Eine Weiterleitungskette ist, wie der Name schon sagt, eine Kette von Weiterleitungen. Weiterleitungsketten sind aus SEO-Sicht problematisch da sie die Weitergabe von Linkjuice verringern, Crawl Budget verschwenden und der Performance schaden können. Leitet man nun nach einigen Monaten das bereits weitergeleitete Produkt auf ein anderes Produkt weiter, welches wiederum nach einigen Monaten auf eine andere URL weitergeleitet wird, erhält man eine wunderschöne Weiterleitungskette mit allen genannten Problemen.

 

Aus diesem Grund sollte man unbedingt einen regelmäßigen Crawl vornehmen und einen sicheren Prozess für Weiterleitungen etablieren.

 

Neues Produkt auf die alte URL

Die wohl idealste Lösung für eine Produktseite mit Backlinks ist es, ein neues (und sehr ähnliches) Produkt auf der alten URL zu platzieren. Das spart eine Menge Kopfschmerzen und wir müssen uns keine Gedanken über Linkjuice und Weiterleitungsketten machen. Diese Lösung ist für viele Shops und viele URL-Strukturen und -Hierarchien oft leider nur schwer umsetzbar, jedoch sehr erstrebenswert, wenn einfach möglich.

 

Für alle Fälle gilt, BesucherInnen sollten über Weiterleitungen informiert werden. Sie wissen es für gewöhnlich zu schätzen und gehen in solchen Fällen nicht von einem Fehler aus, der sie womöglich zum direkten Verlassen des Shops veranlasst.

 

Das Produkt kommt nicht wieder und hat Traffic

Die meisten deiner Produktseiten werden jedoch nicht über Backlinks verfügen und du fragst dich vermutlich, wie du in diesem Fall vorgehen solltest. Hat eine Produktseite keine Backlinks, solltest du prüfen, ob diese URL über organischen Traffic verfügt.

 

Ist die entsprechende Produkt-URL ein häufiger Bestandteil deiner Conversion-Pfade, oder bringt über Longtails massenhaft interessierte Käufer von ähnlichen Produkten in die Umlaufbahn deines Shops, so ist sie definitiv wertvoll für deine organischen Umsätze. In einem solchen Fall, solltest du sie unbedingt behalten und einen eleganten Weg finden mit ihr umzugehen.

 

Das Produkt kommt nicht wieder und hat weder Backlinks noch Traffic

Ist ein Produkt jedoch nicht mehr verfügbar und die Produkt URL hat weder Backlinks, noch Traffic, sollte die entsprechende URL gelöscht werden und den Statuscode 404 zurückgeben.

 

404er

Eine 404-Fehlerseite zeigt BesucherInnen und Google an, dass eine Seite nicht mehr verfügbar ist. Gründe für einen 404er gibt es viele. Eine Ressource wurde verschoben, die internen Links wurden jedoch nicht angepasst. Es wurde keine Weiterleitung eingerichtet, die Ressource ist jedoch noch extern verlinkt. Oder die URL im Browser hat zum Beispiel einen Fehler und in dieser Form nie existiert. In solchen Fällen sollte eine Webseite stets den Statuscode 404 (Not Found) ausgeben.

 

Custom 404 Seite

404er sind gerade für große Shops absolut unvermeidlich. Und wie mit allen nicht so schönen und unvermeidlichen Dingen im Leben, geht es auch hier darum, das Beste aus der Situation zu machen. Hierfür empfiehlt es sich, eine individuelle 404-Seite zu erstellen. Eine individuelle 404-Seite zeigt BesucherInnen, dass sie dir wirklich am Herzen liegen und gibt dir eine zweite Chance.

 

Eine wirklich gelungene 404-Seite ist eine super Möglichkeit, um die Persönlichkeit deiner Marke zu betonen und sonst verlorene BesucherInnen zurück in deinen Shop zu holen. Machst du deinen Job hier richtig, machst du es BesucherInnen einfach den ärgerlichen Fehler zu vergessen, eine Beziehung zu deiner Marke aufzubauen, hältst sie auf deiner Seite, lässt sie schmunzeln und vor allem eventuell noch finden wonach sie gesucht haben.

 

Fazit

Du siehst also, auch ausverkaufte Produkte und der vermeintlich einfache Umgang mit diesen, ist aus SEO-Sicht nicht ganz unproblematisch. Um die Arbeit der letzten Jahre und mühsam erkämpfte Rankings nicht über Nacht zu verlieren, solltest du dich bei jedem ausverkauften Produkt fragen, wie du mit diesem umgehen solltest. Die wichtigsten Punkte für den richtigen Umgang kennst du nun und wir wünschen dir viel Erfolg bei der Umsetzung!